Warendorfer Feuerwehr im Hochwassereinsatz

Warendorfer Feuerwehr im Hochwassereinsatz

Kreis Warendorf (bjo) – Als die 115 Feuerwehrleute der 5. Bereitschaft am Donnerstagmorgen in den Kreis Warendorf zurückgekehrt waren, dachte wohl keiner von ihnen daran, schon am nächsten Tag wieder alarmiert zu werden. Und doch kam es so.

Mit 127 Einsatzkräften wurde die Bereitschaft am Freitagabend nach Eschweiler alarmiert. Vom dortigen Sammelplatz aus galt es, die Feuerwehr Weisweiler bei der Bekämpfung der Hochwasserlage zu unterstützen.

Acht Millionen Liter Wasser aus Schule gepumpt
Dort wartete viel Arbeit auf die ehrenamtlichen Feuerwehrleute. „Ein Teil der Kräfte hat sich darum gekümmert, eine Grundschule zu halten“, berichtet Christian Schmidt. Der Einheitsführer des Löschzuges Einen in der freiwilligen Feuerwehr Warendorf berichtet von bis zu 8000 Kubikmetern oder acht Millionen Litern Wasser, die man dort aus dem Keller des Schulgebäudes gepumpt habe.

Die anderen Einsatzkräfte aus der Bereitschaft seien im Stadtgebiet unterwegs gewesen, um vollgelaufene Keller von Wasser und Gerümpel zu befreien. „Wir haben den ganzen Stadtteil trockengelegt“, sagt Kreisbrandmeister Heinz-Jürgen Gottmann. Komplett erledigen konnten die Einsatzkräfte aus dem Kreis die Aufgabe indes nicht. „Wir sind von Einheiten aus Emden abgelöst worden.“

„Kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat“
Die Bilder, die die Einsatzkräfte aus dem Kreis dabei gesehen haben, werden die ehrenamtlichen Feuerwehrleute wohl so schnell nicht vergessen. „Ich bin Nachkriegskind“, sagt Schmidt. „Aber so muss man sich wohl die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg vorstellen.“ Viele Betroffene hätten alles verloren, auch Erdgeschosse bis zu den Deckenlampen mit Wasser und Schlamm vollgestanden: „Das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat“, sagt Schmidt.

„Anwohner haben uns berichtet, dass ein kleiner Bach innerhalb von vier Stunden zu einer riesigen Flutwelle angeschwollen ist“, sagt Heinz-Jürgen Gottmann. Mit den Hochwassereinsätzen in Münster, Ahaus oder Borken sei die aktuelle Situation nicht vergleichbar: „Es sind Bäume ausgerissen, ganze Bürgersteige weggeschwemmt worden, Autos liegen auf dem Dach, der Schlamm ist überall“, schildert der Kreisbrandmeister nur einige Eindrücke. „Was da an Existenzen verloren gegangen ist, ist schrecklich.“

Das unterstreicht auch Christian Schmidt. Während sich das Wasser beim Elbhochwasser in Magdeburg im Juni 2013 in der Fläche verteilt habe, sei jetzt alles in die Täler gelaufen und habe mitunter bis ins erste Obergeschoss gestanden.

Einsätze körperlich herausfordernd
Für die Einsatzkräfte – bis auf wenige Ausnahmen dieselben, die erst am Donnerstagmorgen in den Kreis zurückgekehrt waren – waren die Einsätze auch körperlich herausfordernd. „Viele waren am Freitag bei der Arbeit und sind dann nach der Alarmierung kurz vor 16 Uhr nur noch kurz nach Hause, um Klamotten zu packen“, erzählt Schmidt. Vom Sammelplatz in Drensteinfurt aus sei die 5. Bereitschaft dann in Kolonnen zum Einsatzort gefahren und ab dem Eintreffen nonstop im Einsatz gewesen.

Zwei Alarmierungen ungewöhnlich
Lediglich die Maschinisten der Großfahrzeuge und die Fahrer für den Rückweg hätten die Möglichkeit gehabt, zwischendurch die Turnhalle der Grundschule zum Ausruhen zu nutzen, um dann sicher in den Kreis Warendorf zurückfahren zu können.

Gegen 14 Uhr sei man am Samstag wieder zurück gewesen: „Wir sind durchweg fertig“, bilanziert Schmidt, so mancher habe auf dem Rückweg auch Schlaf nachgeholt. „Wir freuen uns jetzt auf die Familie und eine Dusche“, sagt der Einener Einheitsführer. „Zwei Alarmierungen innerhalb so kurzer Zeit sind außergewöhnlich“, blickt Heinz-Jürgen Gottmann auf die vergangenen Tage zurück.

Nicht ausgeschlossen sei, dass die 5. Bereitschaft noch ein drittes Mal in die Hochwasserregion alarmiert werde.

DRK und Malteser versorgen Obdachlose
Nicht nur die Feuerwehren aus dem Kreis waren in den vergangenen Tagen im Hochwassereinsatz. Alarmiert wurden auch die Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz und Malteser. „Wir haben die Einsätze der fünften Bereitschaft jeweils mit einem Rettungswagen unterstützt“, sagt Thomas Weil.

Zudem war am Donnerstag ein „Patiententransportzug 10“ nach Eschweiler alarmiert worden, berichtet Weil, der bei den Warendorfer Maltesern aktiv ist. Mit vier Rettungswagen, vier Krankentransportwagen, zwei Notärzten und einem Führungsfahrzeug sei man dort über Nacht in der Bereitstellung, aber nicht im Einsatz gewesen. „Zu einem Einsatz wäre es gekommen, wenn während unserer Bereitstellungszeit Gebäude hätten evakuiert werden müssen“, so Weil.

Bereitstellungsraum aufgebaut
Deutlich arbeitsreicher war der Einsatz, aus dem die 83 Einsatzkräfte aus den DRK- und Malteserverbänden am späten Samstag in den Kreis Warendorf zurückgekehrt waren. „Wir sind am Freitag um 11 Uhr alarmiert worden“, blickt Thomas Weil zurück. Gemeinsam habe man sich auf den Weg zu einem Bereitstellungsraum in Bonn gemacht, von wo aus man nach Rheinbach gefahren sei und dort einen Betreuungsplatz zu betreiben.

Rund 280 Betroffene seien dort derzeit in Klassenräumen und einer Turnhalle auf Feldbetten untergebracht, sagt Weil, der den Einsatz des so genannten „Betreuungsplatz 500“ als Verbandsführer geleitet hatte. Die Häuser der Menschen, die derzeit im „Betreuungsplatz 500“ versorgt werden, seien von der Hochwasserkatastrophe zerstört worden oder mussten wegen möglicherweise drohender Dammbrüche evakuiert werden.

Lage mit Flut in Hamburg 1962 vergleichbar
„Zu unseren Aufgaben gehörte die medizinische Versorgung der Menschen, die Registrierung, die Verpflegung der Betroffenen in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und einem Caterer vor Ort sowie eine psychologische Erstbetreuung der Betroffenen“, macht Weil deutlich.

Zudem seien am Betreuungsplatz in Rheinbach zahlreiche Sachspenden abgegeben worden, die die Helfer von DRK und Malteser sortiert und an Betroffene weitergegeben hätten.

Im Vergleich zur Hochwassersituation in Magdeburg, wo DRK und Malteser aus dem Kreis Warendorf auch gemeinsam einen „Betreuungsplatz 500“ betrieben hatten, sei die derzeitige Situation deutlich schlimmer, bilanziert Thomas weil: „Es sind Tote zu beklagen und zahllose Menschen haben alles komplett verloren.“ Zudem sei die Infrastruktur – zum Beispiel Stromversorgung oder Mobilfunknetze – deutlich stärker unterbrochen. Eher lasse sich die aktuelle Einsatzlage mit der Sturmflut in Hamburg im Jahr 1962 vergleichen, sagt Weil: „Auch damals mussten Menschen mit Helikoptern von den Dächern ihrer Häuser gerettet werden.“

 

Quelle: Die-Glocke vom 19.07.2021

PDF der Glocke vom 19.07.2021

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