Warendorf will mit einem Ehrenamtskonzept die Freiwillige Feuerwehr stärken und den Brandschutz sichern. Geht es um Privilegien?
Christiane Hipp von den Linken wollte es im Haupt- und Finanzausschuss selbst kaum glauben, dass sie ihrer Vorrednerin so vorbehaltlos zustimmen konnte. Denn dabei handelte es sich um Ursula Kindler, und es kommt in der Warendorfer Lokalpolitik nur selten vor, dass eine Linke den Wortbeitrag einer Christdemokratin für so treffend hält, dass sie nicht widersprechen und sogar nichts hinzufügen muss.
Irreführendes Etikett
Was hatte Kindler gesagt? In der Diskussion um das Konzept zur Förderung des Ehrenamts und einer nachhaltigen Personalentwicklung bei der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Warendorf hatte die CDU-Stadträtin betont, das Feuerwehrehrenamt sei nicht vergleichbar etwa mit dem Einsatz zugunsten des Theaters am Wall. Sie begegnete damit den Bedenken der Freien Wählergemeinschaft (FWG) und den Bauchschmerzen der Grünen, die eine ungerechtfertigte Privilegierung der Feuerwehrmitglieder im Vergleich mit den vielen Warendorfern, die sich in anderen Organisationen freiwillig und unentgeltlich engagieren, befürchten. Am Ende der Aussprache waren die Mehrheitsverhältnisse klar: Nur die FWG stimmte gegen das Konzept, die Grünen enthielten sich.
Vielleicht tun sich die Kritiker mit dem Vorhaben deshalb so schwer, weil es von Beginn an mit einem irreführenden Etikett versehen wurde: Ehrenamtskonzept, aber nur für die Feuerwehr. Denn im Kern geht es darum, den Brandschutz sicherzustellen, eine Pflichtaufgabe der Stadt. Dafür stehen in Warendorf ausschließlich die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr bereit. Wenn man ihnen etwas Gutes tun will, landet man automatisch auf dem Feld der Ehrenamtsförderung. Das Gedanke dahinter: Wenn die Stadt auch in Zukunft ohne eine kostspieligere Berufsfeuerwehr auskommen will, muss es weiter genügend und motivierte ehrenamtliche Kräfte gegeben. Die Bedeutung, die der Freiwilligen Feuerwehr damit zukommt, macht ihre gedeihliche Entwicklung zu einem herausragenden strategischen Ziel der Stadtpolitik.
Wenn man in diesem Zusammenhang tatsächlich von Privilegien für die Feuerwehr sprechen möchte, so sind sie für die Befürworter mit Blick auf die existenziell wichtige Aufgabe des Brandschutzes absolut vertretbar. Nicht nur die Vertreter von CDU, SPD, FDP und Linken warben deshalb für die Annahme des Papiers, sondern auch Bürgermeister Peter Horstmann (parteilos).
Sammelsurium an Vergünstigungen
Dass es um Personalentwicklung geht, zeigt unter anderem auch die Absichtsbekundung in dem Papier, die Aufwandsentschädigung für Funktionsträger in der Feuerwehr zu erhöhen. Bislang liege sie im Vergleich mit anderen Kommunen „im unteren Mittelfeld“. Zum Sammelsurium der Vergünstigungen zählen etwa eine finanzielle Unterstützung der Mitgliedschaft eines Feuerwehrmitglieds im Fitnessstudio oder freier Eintritt ins Schwimmbad.
Quelle: Die Glocke
