Kostenlos ins Freibad, Rabatte bei Kulturveranstaltungen oder sogar Vorteile bei der Grundstücksvergabe: Die Feuerwehr soll mit einem eigenen Ehrenamtskonzept gestärkt werden. Doch viele andere Ehrenamtliche könnten sich fragen, warum für sie Ähnliches nicht gilt.
Wer in Warendorf Menschen aus brennenden Häusern rettet, soll künftig nicht nur Anerkennung bekommen, sondern auch Vergünstigungen für die ganze Familie. Kostenlos ins Freibad, Rabatte, womöglich Vorteile bei der Vergabe städtischer Baugrundstücke.
Die Freiwillige Feuerwehr wünscht sich ein eigenes Förderprogramm und die Verwaltung steht der Idee positiv gegenüber.
Obwohl es ein solches Konzept für die vielen Ehrenamtlichen in Sportvereinen, Kulturinitiativen oder sozialen Einrichtungen nicht gibt. Sie organisieren Jugendarbeit, begleiten Senioren, trainieren Kinder oder unterstützen Menschen in Krisen, werden aber nicht so gezielt gefördert.
Die besondere Rolle der Feuerwehr
Ist das fair? Mit dieser Frage beschäftigt sich aktuell die lokale Politik. Mit 30.000 Euro soll das Feuerwehr-Ehrenamt unterstützt werden. Weitgehend unstrittig ist, dass die Feuerwehr gerade in Warendorf eine besondere Rolle einnimmt. Denn die Stadt ist eine der wenigen Kommunen vergleichbarer Größe, die auf eine hauptamtliche Feuerwache verzichtet. Der Brandschutz stützt sich fast vollständig auf Ehrenamtliche.
Sie stehen rund um die Uhr bereit, rücken innerhalb weniger Minuten aus und riskieren im Einsatz ihre Gesundheit. Die Feuerwehr sei von „elementarer Bedeutung“ und ihre Leistungsfähigkeit ein „nachhaltig strategisches Ziel der städtischen Entwicklung“, so die Verwaltung. Das diskutierte Konzept soll die Motivation erhalten, es soll helfen, neue Mitglieder zu gewinnen und „die Freiwilligkeit auf städtischer Ebene dauerhaft sichern“.
Fitness, Freibad und Familienrabatte
Feuerwehrleute bekommen bereits heute Unterstützung in einigen Bereichen, etwa Zuschüsse für zusätzliche Führerscheine oder Fitnessprogramme. Genau diese Punkte bewerten auch die Feuerwehrleute selbst in einer Mitgliederbefragung als besonders wichtig.
Das geplante Konzept geht allerdings deutlich weiter. In Zukunft soll es kostenlose Schwimmbadbesuche für Partner und Kinder geben, vergünstigte Kulturveranstaltungen oder Unternehmensrabatte – bis hin zur bevorzugten Vergabe von städtischen Grundstücken.
Im zuständigen Ausschuss wurde über das Konzept bereits beraten. Während CDU, SPD, FDP und die Linke sowie Bürgermeister Peter Horstmann (parteilos) die Ideen unterstützen, gab es Kritik von den Grünen und der FWG. Sie argumentierten, ein kostenloser Freibadeintritt für die Familie erhöhe die Einsatzbereitschaft allenfalls indirekt. Dasselbe gelte für Theaterrabatte oder Vorteile bei Grundstücken.
Pflichtaufgabe oder Privileg?
Die Feuerwehr begründet diesen Wunsch mit der hohen Belastung der Familien. „Der Dienst für das Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr geht in aller Regel zu Lasten der privaten Freizeit und enorm wichtiger Familienzeit“, heißt es im Konzept. Deshalb sollten „insbesondere gemeinsame Aktivitäten mit der Familie unterstützt“ werden.
Zudem übernehme die Freiwillige Feuerwehr, anders als andere Vereine, eine kommunale Pflichtaufgabe. Würde das Ehrenamt dauerhaft wegbrechen, müsste der Brandschutz vermutlich deutlich teurer, sprich hauptamtlich, organisiert werden. Das Förderprogramm sei also auch eine Investition, die erhebliche Personalkosten erspare.
Ob diese Argumente ausreichen, um die geplanten Vergünstigungen zu rechtfertigen, müssen am Donnerstag (16. Juli) die Ratsmitglieder entscheiden.
Quelle: Westfälische Nachrichten
