Mit einem beeindruckenden Beispiel von Kameradschaft und Solidarität verabschiedeten am Samstag nahezu 200 Feuerwehrleute, Ehrengäste, Besucher und Familien Stadtbrandinspektor Lars Recker feierlich aus der Funktion des langjährigen stellvertretenden Leiters der Feuerwehr Warendorf. Recker war am 8. April 2025, nur wenige Monate nach seiner erneuten Anhörung, wie diese Wahlen bei der Feuerwehr genannt werden, überraschend von seinem Amt zurückgetreten, das er zuvor rund 13 Jahre innegehabt hatte. Über die vielfach gemutmaßten Gründe hüllte sich die Stadt mit diplomatischen Äußerungen in Schweigen. Recker selbst berichtete seinerzeit von einer bereits einige Zeit andauernden Überlastung der ehrenamtlichen Kräfte. „Die Arbeit wird immer mehr“, sagte er damals und bezog sich damit vor allem die Verwaltungsaufgaben, die die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr übernehmen müsse. Am Samstag bekräftigte Recker in seinem Dankeswort vor den Anwesenden seine Einschätzung für die Zeit bis zu seinem Rücktritt: „Leider fehlte am Ende die vom Bürgermeister versprochene Unterstützung im Verwaltungsbereich“, was sich, so eine seiner vorherigen Aussagen im persönlichen Gespräch, vor allem auf die Strukturen und Abläufe nach dem Ausscheiden des ehemaligen Ersten Beigeordneten Dr. Martin Thormann bezog, der stets einen engen Kontakt zur Feuerwehr gepflegt hatte, was von der Wehr aufs Höchste geschätzt worden war. Vor allem auch für den Bereich der notwendigen Bauprojekte für die Wehr bot dies eminent wichtige Möglichkeiten vertrauensvoll und zielführend im Sinne aller zu planen. Dass die Wehr Reckers Entscheidung mehr als bedauert, zeigte sich am vergangenen Freitagabend erstmals öffentlich. Christian Schmidt, Einheitsführer des Löschzugs 6 (Einen), wandte sich im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Löschzugs als Kamerad an die Anwesenden, darunter Lokalpolitiker und Presse, und sagte; „Der Rücktritt von Lars Recker hätte aus Sicht der Feuerwehr nicht sein müssen! Lars hatte sich trotz bestehender Zweifel, noch einmal bereiterklärt, Verantwortung in der Leitung der Feuerwehr Warendorf zu übernehmen.
Gerade in einer Zeit, in der es immer schwieriger wird, Menschen für das Ehrenamt und damit verbundene verantwortungsvolle Führungsaufgaben zu gewinnen, wirkt ein solcher Umgang weit über den Einzelfall hinaus. Er sendet ein Signal, das wir sehr ernst nehmen müssen.“ Das aber auch Bürgermeister Peter Horstmann sehr ernst nahm, der die Vorgänge beim Rücktritt Reckers umgehend an sich zog und damit bis heute – ihm obliegt noch immer die Hoheit über das Geschehen – dafür Sorge tragen konnte, dass das von Schmidt angesprochene Signal seither und bis auf Weiteres keine Gültigkeit haben soll. Dies betont die Stadt auch in ihrer angefragten Stellungnahme. Sie sehe die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Stadtverwaltung von zentraler Bedeutung.
Auszeichnungen für eine Bilderbuchkarriere bei der Wehr
Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Stadt unterliege stetigen Veränderungs- und Anpassungsprozessen bei denen hohe fachliche, organisatorische und rechtliche Anforderungen auf die besonderen Rahmenbedingungen des Ehrenamtes treffen, so die Verwaltung in ihrer Stellungnahme. Die Stadt Warendorf weist zudem auf die knappen Haushaltsmittel hin, um die es einen sachlichen Konkurrenzkampf auch im Bereich von Rettungsdienst, Brandschutz und Krisenvorsorge gebe.
Eine vertrauensvolle und klare Kommunikation sei sehr bedeutsam. „Im vergangenen Jahr sind zahlreiche Maßnahmen gemeinsam mit der Feuerwehr verwaltungsseitig schnell und unmittelbar angestoßen und umgesetzt worden, insbesondere in den Bereichen Infrastruktur, Ausstattung und personelle Unterstützung im Hauptamt. Ziel war und ist es, die ehrenamtlichen Einsatz- und Führungskräfte bestmöglich zu unterstützen und nachhaltig zu entlasten“, so die Stellungnahme der Stadt wörtlich. Darin bestätigt sie außerdem die organisatorischen Maßnahmen, zu denen die interne Umstrukturierung des Amts 37 (Brandschutz und Rettungsdienst) innerhalb der Stadtverwaltung mit direkter organisatorischer Zuordnung zu Bürgermeister Horstmann gehören.
Wie die Feuerwehr, die die Unterstützung des Bürgermeisters ausdrücklich anerkennt, über ihren Kameraden Lars Recker und die damaligen Vorgänge denkt, brachte sie mit der Feier am Samstag unübersehbar zum Ausdruck. Aus allen sieben Löschzügen waren zahlreiche Wehrleute nach Hoetmar gekommen. Sicherheitshalber hatten sie Ausrüstung auf den Wagen, die Nachbarwehren hatten sich zur Alarmerhöhung bereiterklärt, sodass der Grundschutz stets gesichert war.
Quelle: Die Glocke
