Freier Eintritt in Bäder, Geld für Grillabende, Zuschuss zum Fitnessstudio: Das Konzept zur Förderung des Ehrenamts und einer nachhaltigen Personalentwicklung bei der Warendorfer Freiwilligen Feuerwehr liegt vor. Feuerwehrchef Frank Sölken würdigte bei der Vorstellung des Konzepts das Engagement der Ehrenamtlichen und erinnerte daran, dass es in Warendorf keine hauptamtliche Wache gebe und die Stadt vollständig auf die Freiwillige Feuerwehr angewiesen sei.
Umso wichtiger sei es, die Wehr zu unterstützen und ihre Leistungsfähigkeit zu sichern – zumal die angespannte Haushaltslage der Stadt die Handlungsspielräume erheblich beeinflusse. Das Konzept soll es ermöglichen, bei wachsender Arbeitsbelastung schnell gegenzusteuern, ohne die ehrenamtlichen Strukturen zu schwächen.
Vorteile in anderen Kommunen weit verbreitet
Als Beispiel dient die Förderung anderer Kommunen. Unter anderem in Halle (Westfalen), Bad Oeynhausen oder Kaarst gebe es bereits Formate zur Anerkennung des Engagements.
Dazu zählen laut Konzept etwa die Zahlung von Nachteilsausgleichen, wie die Bezahlung von Bereitschaftsdiensten und Zuschüsse zu Gemeinschaftsveranstaltungen sowie die Gewährung persönlicher Vorteile. Das könnten etwa kostenlose Ausleihen in der Bücherei oder vergünstigte Fitnesskarten sein. Im Vergleich mit anderen Kommunen liege die Stadt Warendorf in diesem Segment im unteren Bereich. Sölken machte deutlich, dass es in Zukunft zunehmend schwieriger werde, Bürgerinnen und Bürger für ein langfristiges Engagement zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Gerade weil die Freiwillige Feuerwehr in Warendorf systemrelevant sei, ziele das Konzept darauf ab, ihre Attraktivität zu steigern und die Einsatzbereitschaft dauerhaft abzusichern.
Maßnahmen zur persönlichen Förderung
Vorgesehen sind unter anderem Maßnahmen zur persönlichen Förderung der Ehrenamtlichen sowie zur Stärkung der Jugend- und Kinderfeuerwehr. Zudem wird geprüft, die Aufwandsentschädigungen auf das Niveau vergleichbarer Kommunen anzuheben.
Ein Schwerpunkt des Konzepts liegt Sölken zufolge auf der Wertschätzung der Mitglieder und ihrer Familien: So sollen unter anderem die Ehrenamtskarte erhalten bleiben, freier Eintritt in Hallen- und Freibad für Mitglieder ermöglicht und gegebenenfalls Ermäßigungen im Theater am Wall und im Kino Scala gewährt werden.
Zur Sicherstellung der Einsatzbereitschaft sieht das Konzept außerdem vor, die körperliche Fitness der Einsatzkräfte gezielt zu fördern – etwa durch finanzielle Unterstützung für Fitnessstudiomitgliedschaften. Ergänzend sind Maßnahmen zur Kameradschaftspflege geplant, wofür die Feuerwehr ein frei verfügbares Budget beispielsweise für Grillabende oder ähnliche gemeinschaftliche Aktivitäten anregt.
Problem: Angespannte Haushaltslage
Feuerwehrchef Frank Sölken betonte insbesondere die angespannte Haushaltslage der Stadt Warendorf. Für die Umsetzung der Maßnahmen empfehle sich daher ein gedeckeltes Budget in Höhe von 30.000 Euro.
Das Konzept ist nach Angaben des Feuerwehrchefs das Ergebnis einjähriger Arbeit und bündelt zahlreiche Bausteine. Diese sollen die Wertschätzung der ehrenamtlich Aktiven erhöhen und die Freiwillige Feuerwehr in Warendorf langfristig stärken. Derzeit läuft eine interne Abstimmung unter den Einsatzkräften mittels eines Fragebogens: Die Mitglieder werden aufgefordert, anzugeben, welche Maßnahmen sie bevorzugen und welche Formen der Anerkennung sie in Zukunft besonders motivieren würden. Auf dieser Grundlage soll das Maßnahmenpaket geschärft und schrittweise umgesetzt werden.
Die Grünen begrüßten das Vorhaben der Feuerwehr, kritisierten jedoch, dass das genaue Vorhaben nicht eindeutig aus dem Konzept hervorgeht. Die Freie Wählergemeinschaft kritisierte hingegen, dass es ein gleiches Recht für alle ehrenamtlichen Tätigkeitsfelder geben sollte. Zudem lässt die Haushaltslage laut FWG-Fraktionsmitglied Martin Lepper keine derartige Maßnahme zu. Franz-Ludwig Blömker von der SPD verwies darauf, dass „es nicht notwendig ist, heute abschließend zu einer Abstimmung zu kommen“. Ihm zufolge steht Warendorf jedoch in der Pflicht, eine Feuerwehr bereit zu stellen und die Zukunft dieser zu sichern. „Wir können froh sein, dass wir die Feuerwehr haben und das Ehrenamt sollte auch weiterhin gestärkt werden“, sagte Blömker
Hintergrund
Die Freiwillige Feuerwehr Warendorf zählt zurzeit 631 Mitglieder: 361 davon sind in der Einsatzabteilung aktiv. Bei 8 Personen handelt es sich um Jugendfeuerwehrleute im Einsatzdienst. 56 Personen sind Teil der Unterstützungsabteilung, weitere 85 Personen in der Ehrenabteilung. Die Jugendfeuerwehr umfasst 44 Mitglieder, die Kinderfeuerwehr 77.
Quelle: Die Glocke
