Die Feuerwehr wird in der Öffentlichkeit meistens wahrgenommen, wenn es brenzlig wird. Wenn es brennt, wenn die Ems über die Ufer tritt oder wenn nach einem Unfall verletzte Personen geborgen werden müssen. Ein nicht unerheblicher Teil der Arbeit geschieht aber im Verborgenen. Es geht um die kalte Lage. Und längst kommt dabei reichlich digitale Technik zum Einsatz.
Was Frank Sölken, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Warendorf, mit kalter Lage meint, ist die Vorbereitung, die Analyse der aktuellen Situation. „Das Schlimmste denken, das Beste hoffen“, sagt er. Was er damit meint: Die Feuerwehr bereitet sich auf Szenarien vor und analysiert deshalb fortlaufend die aktuelle Situation in der Stadt. Und das gilt nicht nur für die Fernwärme-Baustelle in der Altstadt.
„Wo ist etwas anders als normalerweise“, umschreibt Frank Sölken die Frage, die sich die Feuerwehr laufend stellt. Sperrungen, Baustellen, Veranstaltungen – die Feuerwehr ist vorher informiert, damit im Ernstfall Wege, die nicht befahrbar sind, gleich mit einkalkuliert werden können. „Es ist gut, ein Bild möglichst nahe an der Wirklichkeit zu bekommen“ , sagt der Feuerwehrchef.
Das sind Informationen, die die Feuerwehr mittlerweile auch digital zusammenführt. Mehrere iPads gibt es, die in den Einsatzfahrzeugen hinterlegt sind.
Schon auf der Anfahrt zum Einsatzort können sich die Kräfte informieren: Wo befindet sich gerade eine Baustelle? 15 aktive Meldungen gibt es zum Beispiel aktuell im Stadtgebiet. Da geht es nicht nur um die Baustelle in der Innenstadt.
Auch kleinere Maßnahmen sind aufgeführt, dazu gleich Informationen, welche Auswirkungen sie für die Feuerwehr haben. Am Beispiel der Fernwärme-Baustelle: Auf dem iPad wird direkt angezeigt, welche Hausnummern noch mit der Drehleiter von wo erreicht werden können und für welche mit Leitern die Bewohner aus den oberen Stockwerken gerettet werden müssen. Das alles pflegt eine ehrenamtliche Kraft der Feuerwehr.
Hinzu kommt im Fall der Altstadt die Enge. „Sie ist, wie sie ist“, sagt Frank Sölken über die Innenstadt. Eine alte Bausubstanz, enge Straßen, Hinterhöfe und Dachstühle nah beieinander. Aufstellflächen für die Feuerwehr, wie sie heute bei Neubauten gleich mitgedacht werden, gibt es nicht. Und entsprechend wichtig ist die Vorbereitung, der Blick auf die kalte Lage.
Digitale Hilsmittel erleichtern die Vorbereitung
Wegen der Baustelle gibt es immer mittwochs eine Besprechung: Baufirmen, Stadtwerke, Feuerwehr
– Vertreter sitzen an einem Tisch und spielen Szenarien durch. Hinzu kommen Veranstaltungen wie die Pferdenacht oder Mariä Himmelfahrt. „Es wird durch die Baustelle noch einmal anspruchsvoller“, sagt Frank Sölken. Digitale Hilfsmittel werden deshalb gern genutzt.
Und die gibt es längst nicht nur für die Anfahrt. Wo befinden sich im Umkreis Hydranten? Die Antwort gibt es auf einer Karte, auf der direkt der Einsatzort markiert ist. Auch Gefahrenpotenziale werden angezeigt. Zum Beispiel Gastanks, die es auf Höfen im Außenbereich vielfach gibt.
Und dann sind für kritische Objekte weitere Informationen hinterlegt. Zwei Beispiele: Sollte es im Krankenhaus brennen, können die Einsatzkräfte noch während der Anfahrt Gebäudepläne sowie detaillierte Pläne des gesamten Areals aufrufen. Verzeichnet sind auch die Fluchtwege. „Rettungswege sind auch Angriffswege“, erklärt Frank Sölken. Das heißt: Auf den Wegen, auf denen Menschen das Gebäude im Notfall verlassen, geht die Feuerwehr mitunter hinein.
Zweites Beispiel Rathaus am Markt: Auch für dieses Gebäude gibt es Informationen zu Fluchtwegen, aber auch zur Bausubstanz. Zum Beispiel, dass es eine Holzbalkendecke gibt. Und wo sich der Schlüsseltresor befindet. An kritischen Gebäuden ist das Standard. Eine Klappe öffnet sich im Brandfall. Mit einem Schlüssel können die Einsatzkräfte einen Tresor öffnen, in dem wiederum Schlüssel aufbewahrt werden, um ins Gebäude zu gelangen. Und parallel gibt es immer auch Pläne für kritische Gebäude auf Papier, die auch mit zum Einsatzort genommen werden, falls die Technik mal streikt.
Quelle: Die Glocke
