Kinder auf den Notfall vorbereiten

Es qualmt im Haus, der Rauch wird dichter und die Sicht nimmt ab – ein Feuer ist ausgebrochen. Wie sich Kinder in einer solchen Situation verhalten sollen, lernen sie von den Brandschutzerziehern der Feuerwehr.

Mit Aufsitz-Feuerwehrautos, kleinen Telefonanlagen und Übungskleidung lernen die Kleinen in Kindergarten und Grundschule, was bei einem Brand passiert und wie sie sich richtig verhalten. „Die Kinder haben sich besonders über die Materialien gefreut, die wir längere Zeit in der Kita hatten“, sagt Gabriele Schulte, Leiterin des Familienzentrums Kita Kunterbunt. Zum Abschluss besuchen alle das Feuerwehrhaus. „Die Kinder berichten uns noch einmal davon, was sie zuvor gelernt haben“, sagt Brandschutzerzieher Olaf Schröder. Welche Telefonnummer wählen sie, wenn es brennt? Welche Materialien sind leicht entzündlich? Das alles sollten die Kinder dann wissen.
Besonders beliebt ist bei den Mädchen und Jungen die Fahrzeughalle. „Meist kommt die Frage nach der Stange zum Runterrutschen zuerst“, sagt Mirjam Pollmeyer. Sie gehört ebenfalls zum Team der Brandschutzerzieher. „Die Stange haben wir aber nicht“, sagt sie und lacht. Dafür werden die Kinder im Feuerwehrauto inklusive Blaulicht und Martinshorn eine Runde über den Platz gefahren. Am Ende gibt es eine Löschübung. „Da darf jeder ,Wasser Marsch‘ rufen und den Schlauch halten“, sagt Olaf Schröder.

 

Die Aufklärungsarbeit, die in Kitas und Grundschulen geleistet wird, hat einen ernsten Hintergrund: „Es ist wichtig, dass Kinder früh lernen, sich im Brandfall richtig zu verhalten“, sagt Olaf Schröder. Entweder nach draußen laufen oder – falls das nicht möglich ist – die Tür schließen, den Türschlitz gegen Rauch abdichten und laut rufen oder klopfen. Um die Arbeit der Feuerwehr zu unterstützen, hat die Sparkasse Warendorf nun Kinderfinder-Aufkleber und Broschüren gespendet. „Es ist uns ein Anliegen, die Arbeit zu unterstützen“, sagt Filialdirektor Klaus Oortmann.

 

Mirjam Pollmeyer und Olaf Schröder sind seit mehr als zehn Jahren Brandschutzerzieher. „Am Anfang war es schwierig, alles kindgerecht zu erklären“, sagt Mirjam Pollmeyer. Mit zunehmender Erfahrung sei das einfacher geworden. 2013 haben die Brandschutzerzieher in Warendorf 350 Kinder im Umgang mit Feuer geschult, 2014 waren es 384 Kinder, in 2015 mehr als 400. Wichtig sei, ihnen so viel wie möglich zu zeigen. Das gilt auch für die Löschübung: „Am Strahlrohr, der Spitze des Schlauches, zeige ich, wie sich das Rohr durch die Hebelbewegung öffnet und schließt. Das ist wie bei einem Wasserhahn“, sagt Olaf Schröder.

 Interview mit Olaf Schröder, Brandschutzerzieher und stellvertretender Leiter der Feuerwehr Warendorf:

„Die Glocke“: Was sind Kinderfinder?

Schröder: Kinderfinder sind gelbe Aufkleber, die an die Kinderzimmertüren geklebt werden sollen und so den Feuerwehrmännern im Einsatz zeigen, welches Zimmer das Kinderzimmer ist.

„Die Glocke: Wieso soll das Kinderzimmer über den Aufkleber hervorgehoben werden?

Schröder: Im Brandfall verstecken sich viele Kinder unter der Decke oder im Schrank. Erwachsene suchen intuitiv den Weg nach draußen, Kinder nicht. Der Aufkleber zeigt uns, wo sich eventuell noch Kinder aufhalten.

„Die Glocke“: Warum müssen die Kinderfinder im unteren Drittel der Tür aufgeklebt werden?

Schröder: Ein Feuerwehrmann ist auf allen Vieren unterwegs. Dadurch sieht er besser, denn der Rauch sammelt sich zunächst unter der Decke. Außerdem stolpert oder stürzt er nicht bei fehlender Sicht in unbekannten Räumen. Klebt der Aufkleber oben an der Tür, sieht der Feuerwehrmann ihn nicht. Deshalb soll er im unteren Drittel angebracht werden.

Donnerstag, 30. März 2017

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