Mutter ist Feuerwehrfrau? Die Kinder finden es cool

Wenn Julia  Ehl  für  den Einsatz  Schutzanzug  anzieht  und Helm aufsetzt,  macht  es  weder  für  sie  noch für  ihre
Kollegen einen Unterschied, dass sie eine der wenigen Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Warendorf ist. Auch der Umgangunter  den  Kollegen  unterscheidet  sie  nicht  von  den  Feuerwehrmännern  –  und  doch  sind Feuerwehrfrauen  noch  immer  eine Ausnahme.


Mit ihrem Beitritt vor zehn Jahren ist die heute 43-Jährige eine Späteinsteigerin bei der Feuerwehr. Vor diesem Schritt war sie in ihrer  hessischen Heimat  für  die  Organisation  einer  Kindergruppe  der  Feuerwehr  zuständig.  „Irgendwann wollte  ich  aber  nicht mehr  etwas  leiten,  wovon  ich  selber  keine  Ahnung  hatte“,  erklärt  sie.  Seit  ihrem  Umzug  in  die  Emsstadt  ist  sie Hauptfeuerwehrfrau  und  Atemschutzträgerin  der  Löschzüge  eins  und  zwei  in  der  Freiwilligen  Feuerwehr  Warendorf.  Die Reaktionen von Freunden und Familie darauf fielen ausschließlich positiv aus.
„Wir haben nur wenige Frauen in der Feuerwehr. Ich denke, dass vielen Frauen einfach der Mut dazu fehlt“, sagt Ehl. Diese Angst sei  jedoch  völlig  unbegründet.  „Manchmal  hat  man  als  Frau  nicht  die  ausreichende  Kraft,  aber  man  bekommt bei  uns  immer Unterstützung und ist auch immer mindestens zu zweit“, erklärt sie. Eine Situation, in der etwas nicht zu schaffen war, habe sie in den  zehn  Jahren  noch  nicht  erlebt.  Und  auch  Sprüche  der  Kollegen  seien,  zumindest  in  der  Warendorfer  Feuerwehr,  nie  ein Thema gewesen.

Dass sich ihr Engagement auch mit Job und Familie vereinbaren lässt, beweist die dreifache Mutter jeden Tag aufs Neue. „Meine Töchter sind damit aufgewachsen.  Sie haben schon früher  keinen Quatsch gemacht,  wenn ich  sie  wegen eines Einsatzes alleine lassen  musste.  Heute  finden  sie  eine  Feuerwehrfrau  als  Mutter  sogar  cool“,  sagt  Ehl  und  lacht.  Einen  Einsatz  habe  sie  dem Abholen  der  Kinder jedoch  nie  vorgezogen.  „Wenn  man  wirklich  einmal  nicht  zu  einem Einsatz  kommen  kann,  ist  das  kein Problem“, sagt sie. Unterschiedliche  Zeiteinteilungen und Lebenssituationen  können für  die  Feuerwehr  hinsichtlich  der  Einsätze  von  Vorteil  sein. Auch  die  mitunter  differierenden  Sichtweisen  von  Frauen  und  Männern  im  Beruf  findet  die  Feuerwehrfrau  nützlich.  „Das Verhältnis von Männern und Frauen ist in jedem Verein und Job eine gute Mischung“, sagt sie. Frauen, die Interesse an Technik haben und sich gern sozial engagieren, seien bei der Feuerwehr am besten aufgehoben. „Wir können immer neue engagierte Leute gebrauchen. Egal ob Frauen oder Männer, wichtig ist die Sicherheit der Bürger.“


Mehr Frauen sollen Brände löschen

291 aktive männliche und weibliche Kameraden zählt die Feuerwehr in Warendorf momentan. Nimmt man die Mitglieder der Jugendfeuerwehr und Ehrenamtliche dazu, sind es mehr als 400 im Stadtverband. Dabei ist der Frauenanteil mit zehn aktiven Feuerwehrfrauen deutlich geringer als die Anzahl der Männer. Obwohl die Warendorfer Feuerwehr aktiv junge Frauen anwirbt, ist sie dabei bisher nur begrenzt erfolgreich. „Wir sind sehr bemüht, auch wenig vertretene Gruppen wie Frauen und Migranten zu erreichen, was nicht ganz einfach ist. Immerhin war die Arbeit bei der Feuerwehr schon immer eine männliche Domäne“, erklärt Christof Amsbeck, Leiter der Feuerwehr.

Auch einige Kampagnen habe es gegeben, um Frauen und Migranten näher an die Feuerwehr heranzuführen: Teil der Aktion „Mädchen und Frauen in den Freiwilligen Feuerwehren“ vom Deutschen Feuerwehrverband war beispielsweise die Kampagne „Frauen am Zug“ im Jahr 2007. Mit Plakaten, Aufklebern und Handbüchern mit Hintergrundinformationen will der Verband zum Einen mit klischeehaften Vorstellungen von Frauen aufräumen, zum Anderen die Rollenleitbilder im eigenen Verband erneuern.

Die Kampagne „112 Feuerwehr – Willkommen bei uns“ zielt vor allem auf Menschen mit Migrationshintergrund. Damit will der Deutsche Feuerwehrverband mit Unterstützung des Europäischen Integrationsfonds das System der Feuerwehren in Deutschland darstellen, Engagementmöglichkeiten aufzeigen und über Prävention informieren.

Amsbeck versichert: „Wir freuen uns natürlich über jeden einzelnen Neuzugang. Besonders aber, wenn sich mehr junge Frauen für die Arbeit der Feuerwehr interessieren und mitmachen.“

 

 

Quelle: Die Glocke

 
Sonntag, 25. Juni 2017

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