Pilotprojekt „Feuerwehrensache“: Schon mit 16 zu Löscheinsätzen

„Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann“, hat Marcel Schröder wie so viele Kinder einmal gesagt. Im Gegensatz zu anderen Kindern blieb die Begeisterung für die ehrenamtliche Arbeit bestehen. Eigentlich kein Wunder, denn das „Feuerwehrmannsein“ wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. Heute ist der 16-Jährige im Rahmen eines Pilotprojekts Mitglied der Feuerwehr Warendorf.


Der Opa ist mittlerweile in der Ehrenabteilung, der Onkel ist Stellvertretender Leiter, der Vater nahm ihn schon als Kind mit und zeigte ihm die Fahrzeuge. Jetzt rückt Marcel selbst mit dem Löschzug zu Einsätzen aus. Ermöglicht wird dies durch das Pilotprojekt „Feuerwehrensache“, an dem die Warendorfer Wehr mit sechs anderen Löschzügen in NRW teilnimmt. Seit 2012 ist das Projekt, bei dem „die Strukturen der freiwilligen Feuerwehren geändert werden“, wie der Stellvertretende Leiter Olaf Schröder erklärt, von der Landesregierung entwickelt worden. Den Startschuss gab es 2014.
In Warendorf hat man sich schwerpunktmäßig auf einen Teilaspekt des Förderprojekts, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, festgelegt. Dazu gehört auch der Einsatz mit 16 Jahren, also zwei Jahre früher als sonst üblich. „Die personelle Verfügbarkeit ist schwierig. Das Engagement in Freiwilligkeit wird in unserer Gesellschaft weniger, und der demografische Wandel wird uns zu schaffen machen“, erläutert Olaf Schröder die Problematik, der durch das Projekt entgegengewirkt werden soll. Für Marcel stand es außer Frage, ob er teilnehmen wolle, schließlich „konnte ich es kaum erwarten, Einsätze zu fahren“.
Mit ihm begann für vier weitere Jugendliche Anfang März der Grundlehrgang, und „die 15-Jährigen hätten am liebsten auch mitgemacht“, wirft Olaf Schröder ein und schmunzelt. Statt sich alle zwei Wochen mit der Jugendfeuerwehr zu treffen, lernten die fünf Jungen an drei Tagen die Woche alles, was ein Feuerwehrmann so wissen muss. Der Unterricht war auch samstags, wenn andere Freizeit haben.
Ende Juni standen schließlich die mündlichen und schriftlichen Prüfungen an. Es gab knifflige Fragen zur Theorie, und im praktischen Teil mussten die Jugendlichen einen Löschangriff aufbauen, das Vorgehen bei einem Verkehrsunfall erklären und verschiedene Knoten vorführen. Am Ende stand fest: Alle fünf hatten die Prüfungen bestanden, Marcel als Lehrgangsbester.

 

Erste Erfahrung im Ernstfall: „Man agiert einfach“


Schon am Tag nach der bestandenen Prüfung piept der Melder. Marcel sitzt vor dem Fernseher. Vater und Sohn fahren im Auto gemeinsam zur Wache. Schnell umziehen, und dann aufs Fahrzeug. „Mach mit Ruhe“, habe sein Vater ihm geraten, weiß Marcel noch. Als sie am Einsatzort ankamen, gab es Entwarnung: Fehlalarm einer Brandmeldeanlage. Enttäuscht? „Eigentlich nicht“, überlegt Marcel, „das war ein guter Einstieg, um mal mitzubekommen, wie das abläuft von Zuhause bis zur Einsatzstelle. Besser als sofort ein großer Einsatz mit viel Hektik“, ist er sich sicher.
Inzwischen hat er acht Einsätze hinter sich, und alles hat sich ein wenig eingespielt. Woran man das merkt? „Ich hab jetzt Socken in meinem Spind“, gibt Marcel ein Beispiel und lacht. „Ohne Socken in den Einsatzstiefeln, das gibt Blasen“, fügt Olaf Schröder erklärend hinzu. Allerdings seien die nicht das Erste, an das man denke, wenn man nachts vom Melder aus dem Schlaf gerissen wird.
Nächtliche Einsätze spielen eigentlich für Marcel keine Rolle. Denn nach den Sommerferien besucht er die Q1 des Gymnasiums Laurentianum, und das heißt für ihn: keine Einsätze nach 22 Uhr oder während des Unterrichts. In den Sommerferien hat er jedoch die Erfahrung nächtlichen Einsatzes gemacht: „Man begreift nicht wirklich, dass ein Einsatz ist. Man agiert einfach“, ist seine Erfahrung.
Das einzig Negative ist für ihn, dass er noch keinen Führerschein besitzt. Ansonsten ist tatsächlich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen – und später hauptberuflich bei der Feuerwehr zu arbeiten, schließt Marcel nicht aus.
Auch Olaf Schröder ist überzeugt von dem Pilotprojekt: „Wir hatten hervorragende Ergebnisse bei dem Grundlehrgang. Die Jungs sind mit großer Begeisterung bei der Sache.“ Bis 2017 läuft das Projekt weiter, sodass zum Ende etwa 15 Jugendliche zu den Einsätzen ausrücken werden. „Ich halte es durchaus für realistisch, dass die Altersgrenze 16 beibehalten wird“, resümiert er.

Quelle: Die Glocke

Dienstag, 17. Oktober 2017

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