Historie Milte

Das Gründungsjahr der , wie es damals hieß, „Freiwilligen Feuerwehr Milte-Velsen“ geht auf das Jahr 1909 zurück.
In den vergangenen Jahrhunderten davor gab es zwar auch schon verschiedene Bemühungen, dem Feuerschutz gerecht zu werden, jedoch beschränkten sich diese zumeist auf Anweisungen des preußischen Staates und bezogen sich auf den Vorbeugenden Brandschutz“, wie man es in der heutigen Amtssprache nennen würde.

Hierzu zählten insbesondere, dass das „Tobakrauchen (...) bey Tage als bey der Nacht bey Strafe verboten (...) auf den Gessen und Straßen der Ortschaften, in den Werkstätten der Schreiner, Zimmerleute,(...), in Ställen,Scheuern, Heuböden und überhaupt an allen gefährlichen Orten“
Das Gleiche galt natürlich für die Verwendung offenen Feuers, insbesondere für die Petroleumlampen, die zum Teil noch bis nach dem zweiten Weltkrieg ihre Dienste verrichteten.

Sollte es dennoch zum Brand gekommen sein, so wurden alle „brauchbaren“ Einwohner des Ortes zur Brandbekämpfung herangezogen, und zwar mit Mensch und Material, welches sich damals vornehmlich auf die vorgeschriebenen Löscheimer, Feuerhaken sowie Pferdefuhrwerke für den Wassertransport bezog.

Auch damals wusste man schon außerordenliche Leistungen zu würdigen.
„Dagegen haben diejenigen, welche sich bey entstandener Feuersbrunst durch ihren Eifer, Fleiß, Aufmerksamkeit und Beyhülfe vorzüglich auszeichnen, Belohnung zu erwarten,nämlich:
1: Wer zuerst durch Feuerrufen und Lärm den im Hause eines anderen entstandenen Brand bekannt macht: 1 Reichsthaler
.....
Welche die erste Feuerspritze herbeyführen: 4 Reichsthaler
.....
Derjenige Handwerks- und sonst herzhafte Mann, der sich zuerst auf den brennenden Bau waget, feine Bravour zeiget und vor anderen ersprießliche Rettungshülfe leistet: 4 Reichsthaler“

Wenn auch die direkte monetäre Belohnung heutzutage nicht mehr üblich ist, so scheinen sich doch diese Grundsätze schon seit Jahrhunderten bis auf den heutigen Tag im Handeln der Feuerwehrmänner niederzuschlagen.

Wichtig schien auch die folgende Verordung zu sein:
„Während eines Brandes darf, wenn derselbe im Dorfe stattfindet, kein Gast- oder Schankwirth in demselben, wenn aber der Brand in der Bauernschaft ausbricht, kein Gast oder Schankwirth einer der im Umkreise der Brandstelle der Letzteren zunächst gelegenen Wirthschaften geistige Getränke verabreichen außer mit besonderer Genehmigung des Feuerlöschdirigenten“.

Schon vor über hundert Jahren galt also schon Alkoholverbot im Einsatz der Feuerwehr...

Doch zurück in das Jahr 1909, als die Milter Bürgschaft den Feuerschutz selbst in die Hand nahmen.

Man hatte offensichtlich eingesehen, dass eine motivierte, freiwillige Feuerwehr eine höhere Leistungsfähigkeit besitzen würde, als das starre preußische Gesetz, welches auf eine Pflichtfeuerwehr baute. Daher schlossen sich überall in Westfalen und so auch in Milte einige Männer zusammen, um sich den Schutz der Bevölkerung vor Brandgefahren auf die Fahnen zu schreiben. Zusammen mit Einen, welches ebenfalls dem Amt Ostbevern unterstellt war, und Ostbevern selbst wurden die Feuerwehren Ostbevern, Einen und Milte-Velsen gegründet.
Als Führer der Wehr und gleichzeitig Brandmeister wurde Schreinermeister Heinrich Wittenbrink und als sein Stellvertreter Josef Brügge bestellt.
Die Wehr wuchs sehr rasch auf die bis auf den heutigen Tag gültige Stärke von 30 – 40 Mann an.
Kurze Zeit später wurde dann auch erstmals in persönliche Ausrüstung investiert.
40 Joppen, 35 Ärmelabzeichen, 33 Mannschaftshelme, 34 Mannschaftsgurte, Beile, Carabinerhaken, Brandhörner, Signalflöten, und vieles mehr für die damals stolze Summe von 617,55 Mark.
1884 war bereits eine neue Spritze angeschafft worden, die mit in das Inventar der Feuerwehr Milte-Velsen einfloss und bereits 1911/12 wurde das erste Spritzenhaus in Milte errichtet.

Aufgrund der Entfernung zum Dorf Milte hatte sich kurz vorher der Feuerlöschverein Beverstrang in einer Stärke von gut 40 Mann gegründet. Auch hier wurde sehr bald eine neue Spritze angeschafft, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, als sich die Feuerwehr Beverstrang auflöste und der nunmehr gut motorisierten Milter Wehr anschloss, ihre Dienste verrichtete.

Doch wieder zurück zu den Anfängen der Milter Feuerwehr.
Die Jahre des schnellen Aufschwunges fanden ein jähes Ende mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges. Durch die Einziehung aller Wehrpflichtigen war die Feuerwehr von vormals 50 Mann auf nur noch 9 Mann zusammengeschmolzen, so dass man sich gezwungen sah, wieder auf das Mittel der Pflichtfeuerwehr zurückzugreifen. Hierdurch wuchs die Feuerwehr wieder schlagartig auf 60 Mann an. Als Führer wurden die verbliebenen Feuerwehrmänner der Freiwilligen Feuerwehr bestellt. Glücklicherweise blieben Milte und Umgebung in dieser Zeit jedoch von größeren Schäden verschont.

Mit der Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten versuchte man auch das Feuerwehrwesen in Milte wie auch in allen anderen Feuerwehren von nationalsozialistischer Ideologie zu durchsetzen. Die Feuerwehr sollte zusätzlich den Charakter einer „Polizeitruppe“ erhalten und wurde daher auch der Ortspolizeiverwaltung und Polizeiaufsichtsbehörde unterstellt. Es wurde verstärkt auf Drill und militärische Ordnung geachtet, man versuchte, die Feuerwehr mit in die Organisation und das Weltbild des NS-Staates mit einzubinden.
Weiterhin wurden die Investitionen sowohl in die Gerätschaften der Feuerwehr als auch in die Löschwasserversorgung gerade in den abgelegeneren Gebieten erheblich erhöht.Die Alarmierung erfolgte nun nicht mehr über Brandhörner, sondern über Sirenen. Größeren Erfolg hatten all diese Anstrengungen jedoch nicht, denn wenn ein landwirtschaftliches Gebäude erst einmal in Brand geschossen war konnte auch die beste Feuerwehr nichts mehr ausrichten.
So brannte nach einem Luftangriff am 10.10.1943 ein Schweinestall bei Große Beckmann ab und beim Einzug der Alliierten brannte der Hof Lütke-Beckmann nieder.

Erst nach dem Krieg wurde das Inventar der Feuerwehr Milte wieder erfasst.
Es bestand aus einem Mannschaftswagen mit angehängter Kraftspritze, sowie einer weitere Kraftspritze und einer Handdruckspritze. Die Mannschaftstärke war zu dieser Zeit sehr gering, da viele Mitglieder der Feuerwehr gefallen waren und den Alliierten sehr daran gelegen war, möglichst alle uniformierten deutschen Einheiten klein und überschaubar zu halten. Heinrich Wittenbrink übernahm wieder die Leitung der Feuerwehr, August Schwegmann war sein Stellvertreter.

Im Jahre 1949 wurde dann der legendäre Opel Blitz in den Dienst gestellt, der 25 Jahre lang seine Dienste tat.
Ein weiteres großes Jahr war 1964.
Damals wurde nicht nur das neue Feuerwehrgerätehaus in Betrieb genommen, sondern kurz darauf auch noch ein TLF8.

Als Heinrich Wittenbrink 1965 die Altersgrenze erreichte, wurde Heinz Danwerth an seine Stelle gewählt. Sein Stellvertreter wurde Heinz Knapheide. Unter ihrer Führung wurde der Fahrzeugpark weiter ausgebaut. So wurde 1971 das TLF 16 in den Dienst gestellt, das bis zum Jahre 1999 seinen Dienst in Milte verrichtete. Weiterhin wurde 1974, noch kurz vor der kommunalen Neuordnung, ein LF8 angeschafft, welches erst 2001 einem modernen ELW weichen musste.

Die Kommunale Neuordnung brachte für die damalige Feuerwehr Milte dahingehende Änderungen, als dass es fortan keine eigene Feuerwehr Milte mehr gab, sondern dass sie nun den Namen "Freiwillige Feuerwehr Warendorf- Löschzug Milte" trug. Löschzugführer wurde Heinz Danwerth, der auch schon vor der Kommunalen Neuordnung die Feuerwehr Milte geleitet hatte.

1981 stellte der Bund ein weiteres Großfahrzeug aus den Beständen des Katastrophenschutzes zur Verfügung. Das LF16/TS ist noch heute im Einsatz.

1989 trat Heinz Danwerth altersbedingt in die Alters- und Ehrenabteilung ein.
Sein Nachfolger wurde sein damaliger Stellvertreter Hermann- Josef Terörde, der die Feuerwehr bis 1995 leitete.

Seit 1995 leitet Roland Danwerth den Löschzug.
Zunächst wurde Antonius zur Wickern, der diesen Posten auch schon unter Hermann Josef Terörde bekleidet hatte, sein Stellvertreter.
Nach seinem plötzlichen Tod rückte sein Bruder Josef Zur Wickern nach.

Trotz erheblicher Sparzwänge wurden unter ihrer Leitung die in die Jahre gekommenen Fahrzeuge TLF 16 und LF8 ersetzt. Im Jahre 1999 wurde das alte TLF16 durch ein gleichartiges, aber moderneres und besser bestücktes TLF 16 ersetzt und mit einem "Sirenenfest", welches in die Geschichte eingehen sollte, eingeweiht.
Das in die Jahre gekommene LF8 wurde im Jahr 2000 gegen ein ELW ersetzt, so dass von diesem Zeitpunkt an auch der Löschzug Milte hiermit über ein technisch ausreichendes Instrument zur Einsatzleitung verfügt.
Das alte LF8 hatte sich bis dahin dadurch ausgezeichnet, dass es mit einem erheblichen Vorrat an B-Schläuchen ausgerüstet war um in den Bauernschaften die Löschwasserversorgung über längere Strecken sicher zu stellen.
Diese Versorgungslücke, die durch die Ausmusterung des LF8 entstanden war, veranlasste die Milter Feuerwehr zu einem ungewöhnlichen Schritt.

Über den "guten Draht", den man über die Funkstation in Milte zur Bundeswehr hatte, gelang es, einen ausgemusterten Einachs-anhänger der Bundeswehr kostengünstig zu erwerben. Dieser wurde in Eigenleistung renoviert und so umgerüstet, dass er nun als Schlauchanhänger mit 1000m B-Schlauch und einer TS8/8 fungiert.
Das alte LF8 freilich ist immer noch im Dienst, und zwar wurde es von einem Anhänger des VFL Osnabrück erworben und zu einer fahrenden Kneipe umgebaut. Es fährt nun zu allen Auswärtsspielen des VFL Osnabrück und versorgt dort die Fans.

Im Jahre 2004 erweiterte sich das Einsatzgebiet des Löschzuges Milte.
War vorher das Einsatzgebiet bis zur ehemaligen Velsener Schule, der derzeitigen Firma Tippkötter begrenzt, so wird der Löschzug Milte nun bei allen Schutzzieleinsätzen, die sich im Norden Warendorfs ereignen, automatisch mitalarmiert.

Freitag, 22. September 2017

Designed by LernVid.com

Homepage-Sicherheit