Historie Hoetmar

Aus der Not geboren
 

Regelrecht »aus der Not geboren« wurde der Hoetmarer Löschzug. So heißt es im Protokoll zur Werbever­sammlung für die Freiwillige Feuerwehr Hoetmar am 5. Oktober 1919 im Saale der Witwe Kramer: »Die bei dem Brand in Gebäuden des Herrn Joseph Huerkamp im September dieses Jahres gemachten Erfahrungen ließen die Verbesserung des Feuerlöschwesens in Hoetmar wünschenswert erscheinen«. Also beschlossen die 38 Anwesenden die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr und schritten auch gleich zur Wahl eines vor­läufigen Brandmeisters und der Brand auf dem Hof Kramervier Abteilungsleiter. Zur Gründungsversammlung am 2. November 1919 zählte die Wehr dann schon 32, passive und immerhin 58 aktive Mitglieder.

 

Den ersten »heißen« Einsatz verzeichnet die Chronik dann am 29. April 1921, als um die Mittagszeit die Scheune des Landwirtes Löckmann in Brand geriet und

das Feuer auch die übrigen Hofgebäude bedrohte. In im­merhin nur 20 Minuten waren die Hoetmarer an der vie­reinhalb Kilometer vom Dorf entfernten Brandstelle ange­langt, wo sie das Feuer erfolgreich bekämpften. Das wie­derum war Landwirt Löckmann eine Spende von 100 DM wert; auch hierin ist die Chronik sehr genau.

Eben so wenig verschweigt sie, dass die Hoetmarer auch anderer »Brände sehr wohl zu löschen wussten. So be­schlossen sie in ihrer Generalversammlung am 21. Ja­nuar 1922 im Saale des Kameraden Bernhard Bisping, am 5. Februar bei Kramer ein Winterfest durchzuführen. Es sollte mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken und der Aufführung von drei Theaterstücken - gemeint waren wohl eher drei Sketche, nur, dass man damals des »Neu­deutschen« noch nicht so recht mächtig war - beginnen

und um halb acht abends mit dem Ball in seine »heiße Phase« treten. Ein sehr pflichtbewusster Schriftführer be­richtet bereits am Tag nach dem Fest 6. Februar, in der Chronik: »Das gestern abgehaltene Winterfest verlief pro­grammgemäß. Nachdem Brandmeister Lölfer die Er­schienenen begrüßt und für das zahlreiche Erscheinen gedankt hatte, richtete er einen Appell an die Frauen und Mütter, ihre Männer bzw. Söhne doch regelmäßig zu den Übungen zu entsenden. Erst in früher Morgenstunde verabschiedeten sich die mutigen Wehrleute.« Und so er­zählt die Chronik weiter, von Einsätzen und Teilnahmen an Kameraden-Begräbnissen, von Versammlungen und Sommer- und Winterfesten, locker, manchmal etwas hol­prig, doch immer spricht aus den Zeilen das Herz der Männer, die sich in ihrem Hoetmar dem Kampf gegen das Feuer verschrieben haben.

Bis dann, mit dem Beginn »neuer Zeiten«, auch plötzlich ein neuer Ton in der Chronik anbricht. Straffer und unpersönlicher klingt jetzt die Chronik und auf unangenehme Weise militärisch.

 

Zur Versammlung am 7. Februar 1934 lud niemand mehr die Kameraden eDas erste Feuerwehrfahrzeug. Ein ausrangierter PKW.in, sie fand - so die Chronik - »auf Veranlassung des Kreisbranddirektors Beckmann statt«. Was dann bei der Versammlung folgte, war zu­nächst einmal die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr Hoetmar, wie ein »Gesetz« vom Dezember 1933 es verlangte, um eine Neue gründen zu können. Es mutet fast wie zum Hohn der damaligen »Gesetzgeber« an, wenn die Chronik erzählt, dass sämtliche anwesenden Feuerwehrmänner der neu gegründeten Wehr wieder beitraten. Einziger Unterschied: Der bisherige Brandmeister wurde zum Oberbrandmeister ernannt. (Mit Speck fängt man Mäuse). Versammlungen endeten nun nicht mehr damit, dass der Brandmeister seinen Leu­ten für ihre Teilnahme und ihren freiwilligen Einsatz dankte, vielmehr heißt es jetzt: »Nachdem der Ober­brandmeister verschiedene Führerbefehle aus dem »Feuerwehrmann« bekannt gegeben hatte, wurde die Versammlung gegen 10 Uhr geschlossen.« Oder: »Die Versammlung wurde, nachdem ein dreifaches »Sieg Heil« auf unser Vaterland und seinen Führer ausgebracht war, vom Oberbrandmeister geschlossen«. Kaum jemand wird deshalb heute bedauern, dass die Chronik ihre Aufzeichnungen mit dem 1. November 1938 unterbricht und ihre Berichterstattung erst am 17. April 1951 wieder aufnimmt, mit der Eintragung, dass an je­nem Tage Theodor Wessel zum Brandmeister ernannt wurde.

 

 

Immer schon recht »wehrig«

 

Beharrlichkeit beweisen die Hoetmarer, wenn es darum geht, die Interessen des Dorfes gegenüber dem es verwaltenden »großen Bruder« zu vertreten. Auch früher war das kaum anders. Wenn die »Blauröcke« aus Hoetmar befürchteten, »übervorteilt« zu werden, dann waren sie bereit, notfalls zu recht massiven Mitteln zu greifen.

 

So rief die Freiwillige Feuerwehr Hoetmar, wie die Chronik berichtet, am 2. Juli 1954 die Kameraden zu einer außerordentlichen Versammlung in der Gaststätte Northoff zusammen. Pünktlich um 20 Uhr hatten sich 18 von damals 23 Aktiven eingefunden. »Sofort zu Beginn der Versammlung«, so berichtet die Chronik, »meuter­ten die Kameraden, dass die Hoetmarer Wehr das alte und reparaturbedürftige Fahrzeug von Freckenhorst übernehmen soll. Die Freckenhorster Wehr soll dagegen ein neues Tanklöschfahrzeug erhalten.« Das rief den Protest der Hoetmarer hervor, zumal der damalige Amtsdirektor Nagel bei der Neugründung der Hoetmarer Wehr am 28. November 1951 versprochen hatte, das nächste neue Fahrzeug, das angeschafft würde, käme nach Hoetmar. Also erging folgender einstimmiger Beschluss: »Falls wir in Hoetmar kein neues Fahr­zeug bekommen, treten wir geschlossen aus der Wehr aus.« Ein Protokoll der Sitzung ging, einschließlich der 18 Unterschriften, an die zuständigen Stellen.
Mitte Juli befassten sich dann die Amtsvertreter bei Jungmann mit diesem Kapitel. Man einigte sich darauf, dieses Mal den »Pielepoggen« den Vorrang zu geben, das nächste Fahrzeug sollte dann aber, gegen Rück­gabe des alten, den Hoetmarern »gehören«. Der Beschluss wurde mit einem versöhnlichen Hähnchenessen besiegelt. Fazit: Für Hoetmar mahlen die Mühlen immer etwas langsamer, aber wenn sie erst malen, dann mahlen sie trefflich fein, wie das heutige Gerätehaus und die beispielhafte feuerwehrtechnische Ausstattung beweisen.

 Kameraden des Löschzuges in den 30er Jahren.

Dienstag, 28. März 2017

Designed by LernVid.com

Homepage-Sicherheit